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Übersicht Unterrichtsmaterial Deutsch


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  Deutsch  
Literatur der Moderne

Literatur der Moderne

1. Definition und Grundidee

Um die Jahrhundertwende entwickelten sich eine Vielzahl verschiedener anti-naturalistischer und post-naturalistischer Strömungen. Wir sprechen auch von den sogenannten „Ismen“, wie Impressionismus, Symbolismus, Dadaismus oder Ästhetizismus, um nur einige zu nennen.


Diese Zeit war geprägt von einem Werteverlust, wodurch viele Menschen alte Orientierungsmuster hinterfragten oder verloren. Die Wirklichkeit wurde immer komplexer und für viele kaum zu erfassen. Neue Erkenntnisse, wie die Entdeckung der Röntgenstrahlen oder die Relativitätstheorie, veränderten das Weltbild.


  • Was ist der Unterschied zum Naturalismus?

    Die Objektivität des Naturalismus wurde verdrängt zugunsten von Subjektivität und Individualität. Das Motto lautete


  • „L’art pour l’art“ oder „Ars gratia artis“

    was so viel bedeutet wie Kunst um der Kunst Willen. Die Kunst war niemandem verpflichtet, außer sich selbst.


Bildende Kunst, Fotografie und Film suchten neue Ausdrucksmöglichkeiten und waren ebenfalls eine Konkurrenz zur Literatur, da sie auch ohne Sprache Veränderungen in Stil und Ausdruck unmittelbar sichtbar machen konnten. Kritiker sind sich nicht einig, ob die heutige Zeit mit später Moderne oder Postmoderne zu bezeichnen ist. Die Übergänge sind, wie in allen anderen Epochen, fließend.


2. Impressionismus

Die literarische Epoche des Impressionismus umfasste in etwa den Zeitraum von 1890 bis 1920.


Den Impressionisten ging es vorrangig um die Darstellung von Eindrücken. Persönliche oder seelische Eindrücke und Sinneseindrücke wurden dargestellt. Das Ich war also von höchster Bedeutung.


Die Impressionisten griffen vorrangig auf kurze literarische Formen, wie Novelle, Lyrik oder Einakter, zurück.


3. Symbolismus

Der Ausdruck Symbolismus bezeichnet eine literarische Strömung von 1860 bis etwa 1925.


Im Gegensatz zum Naturalismus war der Symbolismus idealistisch geprägt. Die Symbolisten setzten aus Bruchstücken der Wirklichkeit neue Sinnbilder, also Symbole, zusammen, um Kunstwelten zu erschaffen, die ästhetisch, schön und vollkommen waren und neue Interpretationen eröffneten. Diese Kunstwelt beschäftigte sich nicht mit realpolitischen Ereignissen oder subjektiven Empfindungen.


Die Symbolisten gingen über die bloße Verwendung von Metaphern weit hinaus. Vielmehr ergründeten sie den tieferen Zusammenhang von Dingen. So ging es auch um Gerüche, Klänge oder Farben. Die Lyrik war allegorisch, experimentell und wenig rationalisierbar.


4. Dekadenz

Dekadenz ist der Oberbegriff für eine vielschichtige Strömung innerhalb der europäischen Literatur um die Jahrhundertwende. Er ist aus dem Französischen übernommen und bedeutet „Verfall“.


Die Autoren der literarischen Epoche der Dekadenz wollten eine Niedergangs- und Verfallsstimmung ausdrücken. Sie klagten den Verlust des Ichs an und schufen eine künstliche Welt, in der die Kunst über die Natur herrschte.


5. Gattungen und Textsorten

Neben Lyrik waren Skizzen, Novellen, Einakter, Kunstmärchen und Essays gängige literarische Formen.


Die Entfremdung des Menschen hatte Einfluss auf die modernen Protagonisten. Die modernen Helden waren Anti-Helden, passiv, gequält und unfähig sinnvoll zu agieren. Darüber hinaus waren sie sich ihrer Situation bewusst. Der moderne Roman arbeitete mit Montagen und inneren Monologen, war häufig ironisch oder philosophisch angehaucht.


Das moderne Drama brach mit alten Strukturen und Erzählperspektiven der Tragödie. Akte und Szenen wurden häufig aufgehoben, Themen waren Erkenntnis und der Versucht, Unaussprechliches darzustellen. Das Theater bediente sich zunehmend neuer Mittel, beispielsweise musikalisch oder visuell. Wir sprechen auch vom modernen Stück.


Die Sprachlosigkeit der Jahrhundertwende brachte sprachgewaltig Lyrik hervor, voll von Allegorien, Alliterationen, Bildern, (unverständlichen) Metaphern, Symbolen und Synästhesien. Die Poesie richtete sich gegen die (sinnlose) Wirklichkeit, stellte vielmehr eine abgeschlossene, eigene Wirklichkeit dar. Ein Beispiel für moderne Lyrik ist Stefan Georges


Der Herr der Insel


Die fischer überliefern dass im süden
Auf einer insel reich an zimmt und öl
Und edlen steinen die im sande glitzern
Ein vogel war der wenn am boden fussend
Mit seinem schnabel hoher stämme krone


Zerpflücken konnte wenn er seine flügel
Gefärbt wie mit dem saft der Tyrer-schnecke
Zu schwerem niedrem flug erhoben: habe
Er einer dunklen wolke gleichgesehn.
Des tages sei er im gehölz verschwunden


Des abends aber an den strand gekommen
Im kühlen windeshauch von salz und tang
Die süsse stimme hebend dass delfine
Die freunde des gesanges näher schwammen
Im meer voll goldner federn goldner funken.


So habe er seit urbeginn gelebt
Gescheiterte nur hätten ihn erblickt.
Denn als zum erstenmal die weissen segel
Der menschen sich mit günstigem geleit
Dem eiland zugedreht sei er zum hügel


Die ganze teure stätte zu beschaun gestiegen
Verbreitet habe er die grossen schwingen
Verscheidend in gedämpften schmerzeslauten.


6. Werke und Autoren

Häufig ist es schwierig, moderne Autoren nur einer Bewegung zuzuordnen, vielmehr wurden sie meist von verschiedenen Bewegungen beeinflusst.


  • Rainer Maria Rilke (1875-1926) Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, Sonette an Orpheus
  • Thomas Mann (1875-1955) Buddenbrooks. Verfall einer Familie, Der Zauberberg
  • Arthur Schnitzler (1862-1931) Leutnant Gustl, Das weite Land
  • Stefan Zweig (1881-1942) Das Haus am Meer
  • Stefan George (1868-1933) Das Jahr der Seele, Der Stern des Bundes
  • Hermann Hesse (1877-1962) Der Steppenwolf, Narziß und Goldmund
  • Hugo von Hofmannsthal (1874-1929) Das Bergwerk zu Falun, Jedermann

7. Steckbrief Moderne


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