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Übersicht Unterrichtsmaterial Deutsch


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  Deutsch  
Literatur des Naturalismus

Literatur der Naturalismus

1. Definition und Grundgedanke

Die Epoche des Naturalismus erstreckt sich von 1880 bis etwa 1900. Wir unterscheiden drei Abschnitte:


1880-1889 Frühnaturalismus
1889-1895 Hochnaturalismus
1895-1900 Zerfall des Naturalismus

Das Ende des 19. Jahrhunderts war geprägt durch die Umwälzungen der Industrialisierung, Verstädterung, neuen Erfindungen, wie der Schallplatte oder des Dieselmotors, sowie neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, beispielsweise durch Charles Darwin.


  • Was ist der Unterschied zum Realismus?

    Im Gegensatz zu den Realisten klammerten die Naturalisten das Unschöne nicht aus. Sie machten vielmehr die Hässlichkeit zu einem zentralen Thema. Während die Realisten noch subjektiv waren, sollte nun alles wirklichkeitsgetreu wiedergegeben werden. Der Naturalismus war provokanter und radikaler. Er war eine Protestbewegung gegen die sozialen und politischen Verhältnisse in der Gründerzeit. Das Weltbild war materialistisch. Im Gegensatz zu den Idealisten sehen sie den Menschen als Produkt seiner Umwelt und seiner Erbanlagen. So schrieb Holz:


    „Unsere Welt ist nicht mehr klassisch,/ Unsere Welt ist nicht romantisch, /Unsere Welt ist nur modern.“


    Der Naturalismus war eine gesamteuropäische Bewegung. Zentren in Deutschland waren Berlin und München.


2. Textformen und Gattungen

Die Naturalisten ließen ihre Szenen in den Hinterhöfen, Kneipen und Fabriken spielen. Zentrale Themen waren die Schattenseiten der Zivilisation – das soziale Elend, Armut, die Großstadt, das Milieu. Sie traten für den sozialen Fortschritt ein und engagierten sich für eine Verbesserung der sozialen Lebensbedingungen.


Die Naturalisten setzten auf die Natürlichkeit der Sprache. So flossen Dialekte, Redensarten, Grammatikfehler und ähnliches in die Texte ein. Beliebte Erzähltechniken waren der innere Monolog und der Sekundenstil.


Zu Beginn spielte die Lyrik eine große Rolle, später Prosa und Drama.


Das Drama eignete sich hervorragend für Milieustudien und soziale Kritik. Die Handlung wurde reduziert zugunsten der Darstellung der Charaktere.


Ein Beispiel für Großstadtlyrik ist Arno Holz‘


Großstadtmorgen


Die letzten Sterne flimmerten noch matt,
ein Spatz versuchte früh schon seine Kehle,
da schritt ich müde durch die Friedrichstadt,
bespritzt von ihrem Schmutz bis in die Seele.
Kein Quentchen Ekel war in mir erwacht,
wenn mich die Dirnen schamlos angelacht,
kaum daß ich stumpf davon Notiz genommen,
wenn mir ein Trunkner in den Weg gekommen.
Und doch, ich spürte dumpf, mir war nichts recht.
Selbst die Zigarre schmeckte schlecht.



Halb zwei. Mechanisch sah ich nach der Uhr.
An was ich dachte, weiß der Kuckuck nur.
Vielleicht an meinen Affenpintscher Fips,
an ein Bonmot, an einen neuen Schlips,
vielleicht an ein zerbolztes Ideal,
vielleicht auch nur - ans Kaffee National.


Da, plötzlich, wie? ich wußt es selber nicht,
fuhr mir durchs Hirn phantastisch ein Gesicht,
ein Traum, den ich vor Jahren einst geträumt,
ein Glück, das zu genießen ich versäumt.
Ich fühlte seinen Atem mich umstreifen,
ich konnt es förmlich mit den Händen greifen!


Ein verwehender Sommertag, ich war allein,
auf einem grünen Hügel hielt ich im Abendschein,
und still war mein Herz und fröhlich und ruhte.
Leise, unter mir, schnupperte meine Stute,
die Zügel locker, lang und laß,
und rupfte büschelweise das Gras.
Es ging ihr fast kniehoch und stand voller Blumen.
Dazwischen roch es nach Ackerkrumen,
und hinten, die Flügel noch gerade besonnt,
mahlten drei Mühlen am Horizont.
Drei alte Dinger, fuchsrot beschienen
und schon halb vergraben hinter einem Feld Lupinen.
Sonst nichts, so weit der Blick auch schweifte,
als mannshohes Korn, das rauschend reifte;
dazu drüber ein ganz, ganz blaßblauer Himmel
voll Grillengezirp und Lerchengewimmel.


Das war das Ganze. Doch ich sah die Farben
und hörte den Wind wehn und roch die Garben.
Ein Sonnenblitz, drei flüchtige Sekunden,
und, wies gekommen, wars auch schon verschwunden!


Die Friedrichstraße. Krumm an seiner Krücke
ein Bettler auf der Weidendammer Brücke:
"Kauft-Wachs-streich-hölzer!
Schwedische-Storm-und-Wachs-streich-hölzer ..."


Mich ... fröstelte!


3. Autoren und Werke

  • Gerhart Hauptmann (1862-1946) Vor Sonnenaufgang, Der Biberpelz, Die Weber
  • Arno Holz (1863-1929) Papa Hamlet, Phantasus
  • Johannes Schlaf (1862-1941) Meister Oelze

Von großer Bedeutung war der norwegische Schriftsteller


  • Henrik Ibsen (1828–1906) Ein Volksfeind, Hedda Gabler

4. Steckbrief Naturalismus


Zeitraum:
Kerngedanke/Schlüsselbegriffe:
Textformen:
Werke:
Autoren:

Tipp: Zum besseren Verständnis beachte auch die Kapitel Literatur des Realismus und Literatur der Moderne.


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